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Deutschland: 545’000 Übergaben gegenüber 569’000 Betriebsaufgaben bis 2029

Veröffentlicht am: 15.07.2026

Das Wichtigste auf einen Blick

  • In Deutschland sind 57% der mittelständischen Unternehmer 55 Jahre oder älter. Vor 20 Jahren waren es lediglich 20%.
  • Bis 2029 könnten jährlich 114 000 Unternehmen stillgelegt werden, gegenüber 109 000 geplanten Nachfolgen. Erstmals gibt es damit einen Überhang von Schliessungen.
  • 47% der Unternehmer mit Schliessungsplänen geben an, dass kein Familieninteresse an einer Fortführung besteht.
  • 42% nennen zu viel Bürokratie als Grund für die geplante Schliessung, ein Anstieg von 12 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
  • Die Kaufpreisvorstellungen sind deutlich gestiegen: im Durchschnitt werden 499 000 Euro erwartet, gegenüber 372 000 Euro im Jahr 2019.
  • Die Ergebnisse zeigen einen besorgniserregenden Trend, der auch für die Schweiz als Warnsignal gelten kann.

Relève PME ist ein gemeinnütziger Schweizer Verein, der die Nachfolge von KMU erleichtern und fördern soll. Er bietet Unternehmerinnen und Unternehmern neutrale Informationen, Beratung und Unterstützung, um die Herausforderungen der Unternehmensnachfolge zu bewältigen und den Austausch zwischen Übergebern und Übernehmern zu erleichtern. Dank seiner Erfahrung und seines Netzwerks werden Ihre Erfolgschancen maximiert.

Unsere Mission: Unternehmen bei Übergaben und Übernahmen zum Erfolg führen.

Ein historischer Wendepunkt im Mittelstand

Die KfW, Deutschlands grösste staatliche Förderbank, hat im Januar 2026 die Ergebnisse ihres aktuellen Nachfolge-Monitorings veröffentlicht. Die Zahlen markieren einen Wendepunkt: Zum ersten Mal planen mehr mittelständische Unternehmen eine Schliessung als eine Nachfolge.

569 000 Unternehmen, deren Inhaber sich bis Ende 2029 aus dem Geschäft zurückziehen wollen, streben keine Fortführung an. Das entspricht jährlich rund 114 000 Geschäftsaufgaben. Dem stehen 545 000 Unternehmen gegenüber, die eine Nachfolgeregelung suchen, also rund 109 000 pro Jahr.

Die Erhebung basiert auf dem repräsentativen KfW-Mittelstandspanel, an dem sich mehr als 13 000 Unternehmen beteiligt haben.

 

Die Alterung der Unternehmerschaft beschleunigt sich

Der Hauptgrund für die geplanten Schliessungen ist das Alter. Im Jahr 2025 waren 57% der mittelständischen Unternehmer 55 Jahre oder älter, drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Vor 20 Jahren lag dieser Anteil noch bei lediglich 20%.

Die Babyboomer-Generation hat in der Vergangenheit einen Grossteil der mittelständischen Unternehmen gegründet. Nun steht diese Gründergeneration vor dem Rückzug, und viele empfinden die Suche nach einem passenden Nachfolger als sehr schwierig.

 

Kein Familieninteresse und zu viel Bürokratie

Die Befragung zeigt zwei zentrale Gründe, warum Unternehmer die Schliessung der Nachfolge vorziehen. 47% der Betroffenen erklären, dass in ihrer Familie kein Interesse an einer Fortführung besteht. Die nächste Generation geht zunehmend eigene Wege, ein Trend, der auch in der Schweiz beobachtet wird.

Der zweite Faktor ist die Bürokratie. 42% der Befragten nennen zu viel administrativen Aufwand als Grund für ihre Schliessungspläne. Das sind zwölf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und so viele wie nie zuvor. Die juristischen, steuerlichen und regulatorischen Anforderungen rund um eine Unternehmensnachfolge schrecken offenbar immer mehr Inhaber ab.

Bereiten Sie Ihre Nachfolge jetzt vor

Die Erfahrung aus Deutschland zeigt: Wer zu lange wartet, riskiert, dass die Schliessung zur einzigen Option wird. Relève PME bietet Ihnen eine innovative Plattform, um die richtigen Ansprechpartner zu finden, sei es ein Käufer, ein Verkäufer oder ein Experte für Unternehmensnachfolge in der Schweiz.

Steigende Preisvorstellungen erschweren die Einigung

Ein weiterer Stolperstein ist die Kaufpreisfindung. Die Preisvorstellungen der Mittelständler haben deutlich angezogen. Im Durchschnitt erwarten die Nachfolgeplaner einen Kaufpreis von 499 000 Euro. Im Jahr 2019 waren es noch 372 000 Euro. Preisbereinigt entspricht das einem Plus von 9,5%.

27% der Unternehmer streben inzwischen einen Kaufpreis von mehr als einer Million Euro an, gegenüber 18% im Jahr 2019. Am anderen Ende des Spektrums sind nur noch 5% bereit, sich mit weniger als 50 000 Euro zufriedenzugeben, gegenüber 18% vor sechs Jahren.

Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, betont die volkswirtschaftliche Dimension: Es sei erwiesen, dass Firmenlenker, die bereits einen Nachfolger gefunden haben, wieder stärker in ihre Unternehmen investieren. Die Lösung der Nachfolgeproblematik sei daher auch entscheidend, um die Investitionen im Mittelstand anzukurbeln.

 

Ein Warnsignal auch für die Schweiz

Die deutsche Entwicklung ist für die Schweiz relevant, weil die Ausgangslage vergleichbar ist. Auch in der Schweiz stehen gemäss der UBS-Nachfolgestudie 2026 rund 168 000 KMU vor einer Eigentumsübergabe bis Ende 2030. Auch hier geht die nächste Generation zunehmend eigene Wege, und auch hier sind die emotionalen und administrativen Hürden einer Nachfolge hoch.

Die deutsche Erfahrung zeigt: Wenn die Rahmenbedingungen für eine Nachfolge zu komplex werden, entscheiden sich immer mehr Inhaber für die Schliessung. Eine frühzeitige und strukturierte Nachfolgeplanung kann diesen Verlust verhindern.

 

Quelle: KfW Research

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